Sei es das Strukturieren von Gedanken mittels Mind Mapping oder das Erläutern von Wahlergebnissen mithilfe von Grafiken – um mit einer Vielzahl an Informationen umgehen zu können, benötigt der Einzelne Visualisierungs-Techniken, die ihm eine bessere Orientierung ermöglichen.
Auch im Bereich der digitalen Musik ist in letzter Zeit ein regelrechter Hype um die Visualisierung entstanden. Die Sammlungen der Nutzer werden schließlich immer größer und Online-Musik-Services bieten Zugang zu riesigen Katalogen mit mittlerweile bis zu 18 Millionen Titeln. Hinzu kommen Empfehlungstechnologien und neue Geräte mit Touchbedienung, die das „Begreifen“ von Zusammenhängen auf eine ganze neue Ebene heben. Scrollen in unübersichtlichen Listenansichten ist längst nicht mehr State of the art.
Im Folgenden soll es deshalb um eine kurze systematische Darstellung der Möglichkeiten von Visualisierungen für die Verwendung in Software-Musikplayern gehen. Visualisierung meint hierbei ganz allgemein die Darstellung einer Musiksammlung in einer Player-Anwendung und speziell die interaktive Variante als Teil der grafischen Benutzeroberfläche.
Im Kontext des Musikhörens spielt es eine entscheidende Rolle, welche Daten für die Visualisierung herangezogen werden sollen. Allgemein stehen diskografische Daten, der Klang selbst, die Auswertung von Hörgewohnheiten und Informationen über den kulturellen Kontext zur Verfügung:
- Diskografische Daten bilden quasi immer die Basis für das Zurechtfinden in Musikkollektionen (z.B. Titelname, Albumname, Künstler, Genre).
- Mittels Klanganalyse kann heute auch der Sound der Titel für die Organisation einer Musiksammlung verwendet werden (z.B. Stimmung, Tempo, Instrumente).
- Mit Hörgewohnheiten sind individuelle Präferenzen und/oder Informationen über das Musikhören von vielen Nutzern gemeint (z.B. Auswertung der eigenen Hörgeschichte, LastFM und collaborative Filtering)
- Und kultureller Kontext lässt sich bspw. mit historischen, geografischen und biografischen Daten abbilden, genauso wie mit sozialen Tags, die Nutzer erstellen.
Meist wird eine Kombination von ganz unterschiedlichen Informationen benutzt, um das Musikhören und die Navigation in einer Kollektion zu erleichtern (z.B. Klang und diskografische Angaben).
Eine weitere Frage zur Visualisierung von Musik betrifft die Ebene, auf der die Visualisierung stattfindet: werden einzelne Songs, Alben, Künstler oder Genre dargestellt und kann zwischen diesen Ebenen gewechselt werden (z.B. mittels Zoom und Level of detail)? Für einen Musikplayer und die individuelle Musiksammlung macht es immer auch Sinn innerhalb der Darstellung bis auf die Songebene zu gelangen, um die Musiktitel einzeln ansteuern zu können. Wobei auch hier die Anwendungsfälle, die das Hören von Alben, von Playlisten oder von Songs von bestimmten Künstlern betreffen, beachtet werden müssen.

Auf der Seite der Visualisierung und der Berechnung der Darstellung sind die Möglichkeiten fast unbegrenzt. Mit den o.g. Daten können verschiedenste interaktive Charts und Landkarten erstellt werden. Hierbei muss auch entschieden werden, ob die grafischen Zusammenstellungen dynamisch sind (z.B. bei Veränderung innerhalb der Sammlung) oder ob einzelne Elemente (z.B. Songs oder Künstler) mit einer festen Position auch in der Visualisierung wieder gefunden werden sollen: im Sinne einer Musiknavigation.
Für individuelle Musiksammlungen scheint sich aktuell ein Standard herauszubilden: Visualisierungen greifen bis auf die Songebene zurück, die Titel sind auf interaktiven Karten angeordnet (2D und 3D), und es werden Cover, Farben, Abstände und Verbindungen zwischen Elementen sowie die Größen der grafischen Elemente für die Visualisierung von Informationen verwendet. Die Ergebnisse der Analyse von Klangdaten werden mit diskografischen Informationen und Hörgewohnheiten kombiniert. Das Zurechtfinden in einer Musiksammlung wird heute also auch zu einer Navigation mittels Musik.
Es sieht so aus, als sei dies eine der vielen Antworten auf die gegenwärtigen technologischen Entwicklungen und Umgangsweisen mit digitaler Musik – wohin die Reise auf der Musiklandkarte noch gehen wird, wird sich zeigen.
Über mufin vision
Mit der mufin-eigenen Technologie zur automatisierten Musikanalyse haben wir uns ebenfalls auf die Visualisierung von Musik spezialisiert. Das erste kommerzielle Produkt mit dieser Technologie zur Visualisierung von digitalen Musiksammlungen wurde bereits im Jahre 2007 weltweit veröffentlicht: es handelte sich um einen Software Musikplayer für PC: MAGIX MP3 Maker 14. Aktuell kann man die Visualisierungs-Technologie mufin vision im mufin player für PC oder für Android kostenlos ausprobieren. Im Juni 2011 wird die neue Version der Android App erscheinen.
Quellen:
[1] http://labs.vis4.net/parteispenden/
[2] http://www.musicthinktank.com/mtt-open/face-the-interface.html
[3] http://www.repeatingbeats.com/resources/Slloyd_MSc_External.pdf
[4] http://ismir2007.ismir.net/proceedings/ISMIR2007_p173_lamere.pdf
[5] http://thesis.flyingpudding.com/documents/Anita_FINAL_THESIS.pdf
[6] http://www.visualcomplexity.com/vc/
[7] http://visualizingmusic.com/
[8] http://schedule.sxsw.com/events/event_IAP5853
[9] http://www.formater.de/
[10] http://www.datavis.ca/papers/hbook.pdf
[11] http://itunes.apple.com/app/discovr/id412768094?mt=8